(Susann Meister) – Simon Becketts Thriller „Die Chemie des Todes“ ist seine erste Geschichte um den forensischen Anthropologen David Hunter. Einerseits geht es um Hunters Schicksal und seine Vergangenheit und andrerseits um das abgeschottete Leben in einem kleinen Dorf in der englischen Provinz.Die Geschichte: David Hunter, ein begnadeter Forensiker, zieht sich nach dem Tod seiner Frau und seiner Tochter ins kleine Dorf Manham zurück, um dort als Landarzt zu arbeiten und so von seiner Trauer und seiner Vergangenheit Abstand zu gewinnen. Einfach ist das Leben auf dem Land nicht, wer neu ins Dorf zieht, bleibt auch nach Jahren noch ein Aussenseiter. Trotzdem fühlt sich Hunter dort wohl, auch weil er im alten Dorfarzt Henry Maitland, der nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselt ist, einen Freund findet.
Das beschauliche Landleben findet ein abruptes Ende, als spielende Kinder eine übel zugerichtete Frauenleiche finden. David Hunter wird, obwohl er eigentlich gar nicht will, in die Ermittlungen miteinbezogen. Mit seinem Wissen kann er die lokale Polizei unterstützen. Seine Zurückhaltung legt er vor allem ab, weil eine weitere junge Frau verschwindet.
Da sich abzeichnet, dass der Täter aus dem Dorf stammen muss, beginnt eine regelrechte Hetzjagd auf alle Fremden, so natürlich auch auf Hunter, von dem ja noch niemand weiss, dass er für die Polizei arbeitet. Aufwiegler ist der Priester Scarsdale, der die Ängste der Dorfbevölkerung schürt. Trotz aller Schwierigkeiten kann sich Hunter langsam von seiner Trauer um seine Familie lösen und knüpft einen vorsichtigen Kontakt zu der jungen Dorflehrerin, die wie er nach einem Schicksalsschlag aus der Stadt zugezogen ist. Die vermisste junge Frau wird wie das erste Opfer nach tagelangen Folterungen tot aufgefunden und schon verschwindet ein drittes Opfer. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, da die Polizei nun weiss, wie der Täter handelt. Doch wer er ist, bleibt noch lange ungewiss.
Mein Eindruck: Die Chemie des Todes ist ein spannender Thriller, in die Geschichte verwebt wird die Arbeit von Forensikern. Simon Beckett lässt Hunter tagelang verweste Leichen untersuchen und erklären, welche Fliegen und Maden sich zu welchem Zeitpunkt der Verwesung auf einer Leiche tummeln. Einerseits interessant, andrerseits manchmal auch ziemlich abstossend. Alles in allem ist „Die Chemie des Todes“ aber ein solider Thriller, der kaum Längen aufweist.
Der Autor und Journalist Simon Beckett wurde 1968 in der englischen Stadt Sheffield geboren, wo er auch heute noch wohnt. Er arbeitete für Zeitungen und Magazine und schrieb Bücher. Im Verlauf journalistischer Recherchen besuchte der Autor die „Body Farm“ in Tennessee, USA, wo US-Polizisten eine realistische Ausbildung angeboten wird, in welchem Rahmen Verwesungsprozesse von Leichen ablaufen. Dort erfand er die Figur des Pathologen David Hunter. Weitere Geschichten um David Hunter sind bereits erschienen: Kalte Asche (2007) und Leichenblässe (2009).
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