(Thomas Meister, Obernarr) – Als ich zum Obernarr der Stadt Grenchen gewählt wurde, war mein Freund Kurt (ja, es ist der gleiche Kurt, der auch sonst immer in dieser Kolumne zitiert wird) einer der Ersten, der mir gratulierte. Das sei dann schon eine feine Sache so Fasnacht meinte er und er gehe ja schon jahrzehntelang immer an den Umzug und an die Chesslete und erst das Böögverbrennen, das habe er dann noch gar nie ausgelassen. Seit Hilari ging er mir aber aus dem Weg und gestern erzählte er mir auch warum.
„Weist Du Thomas“ sagte er zu mir, “seit Jahren habe ich immer Fasnacht gemacht und nie habe ich eine Fasnachtsplakette gekauft und ich fühlte mich immer superclever. Wenn ich am Hilari vor dem Stadthaus das Gratisapéro genoss und noch für ein zweites Glas und ein drittes Schinkengipfeli anstand und mir Rolf Janz von der Froschzunft eine Plakette verkaufen wollte, sagte ich ihm, dass ich dann eine Plakette bei den Wiibern kaufe und so konnte ich den Hilari plakettenlos überstehen.
Am Plausch habe ich die Fasnachtsplakette meines Arbeitskollegen getragen, denn der ging immer am Samstag an den Plausch und brauchte deshalb die Plakette am Sonntag nicht. Nach der Chesslete löffelte ich mir eine Gratismehlsuppe ein und wenn mich ein Lunese fragte, ob ich denn eine Plakette kaufe, meinte ich, dass diese ja nicht gerade zum Chesslerhemmli passe und ich sie deshalb zuhause auf dem Nachtisch hätte.
Auch am Kinderumzug genoss ich immer Schenkeli und Tee und dies natürlich auch ohne jemandem eine Plakette abgekauft zu haben. Die Guggennight war Spitze, denn im Getümmel vor dem Busbahnhof merkte keiner dass ich keine Plakette hatte. Am Fasnachtssonntag beim Umzug war es nicht ganz einfach den vielen Plakettenverkäufern zu entkommen. Ich kannte jedoch ein Schlichwägli zwischen Absyte und Postmarkt und so genoss ich ohne Plakette, mit hochgestecktem Kragen, den wunderschönen Umzug. Wenn ein Wagen vorbeifuhr und der Obernarr Röseli oder andere Zünftler Orangen und Bonbons verteilten, so habe ich immer die Hand hingehalten und etwas bekommen.
Nach dem Böögverbrennen am Aschermittwoch, übrigens muss dieser Böög ein Heidengeld kosten mit diesen Krachern und dem Feuerwerk, wenn ich sehe, was ich am ersten August nur für die paar Raketlis bezahlen muss…also nach dem Böögverbrennen ging ich immer ins Passage und haben mir zwei Stangen Bier gegönnt. Das war gerade der Betrag, den ich sparen konnte, weil ich keine Plakette gekauft hatte und ich fühlte mich superschottenclever.
Gestern Nacht ist mir der heilige St. Hilarius erschienen und hat mich an die Fasnacht eingeladen. Ich ging natürlich mit ihm mit. Doch oh weh, es fand keine Chesslete statt, es gab keine Gratismehlsuppe, keine Gratisschenkeli am Kinderumzug, denn der wurde auch nicht durchgeführt, keine Guggennight, keine Röseli und Orangen am Umzug und auch keinen Böög mehr….. „Siehst Du“, sagte mir St Hilarius, „es gibt keine Fasnacht mehr! Da immer weniger Zuschauer die Fasnachtsplakette kaufen, kann sich die VFZ das nicht mehr leisten.“
Schweissgebadet bin ich aufgewacht…“
Kurt hat mir dann eine Fasnachtsplakette 09 abgekauft. Nein nicht eine silberne für 7 Franken, eine goldene für dreissig.
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Da ich die Mailadresse vom Obernarr Thomas Meister nicht kenne möchte ich Ihm über den Komentar herzlich gratulieren zum 1. 50 Geburtstag und 2. zum Obernarr
Es ist schön von alten Bekannten zu hören und lesen. Es würde mich freuen, wenn meine Nachricht auch Thomas erreichen könnte. Besten Dank!
Liebe Grüsse aus dem verschneiten Arosa von einer ehemaligen Grenchnerin Norma Widmer-Hueber und wünsche allen ein wunderschönes Fasnachtsfest