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Buchrezension: „Reise in die Nacht“ von Gianrico Carofiglio

Reise in die Nacht.

(Susann Meister) – Die Geschichte des Avvocato Guido Guerrieri ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Die Figur des Avvocato ist so wunderbar charakterisiert, dass man einfach mehr über ihn wissen will.
Die Geschichte: Avvocato Guido Guerrieri geht es schlecht. Er ist frisch geschieden, vom Leben enttäuscht und rutscht immer tiefer in eine Lebenskrise. Er ertappt sich dabei, dass er ohne Vorwarnung weinen muss, dass er Angstzustände bekommt, an Schlaflosigkeit leidet und dass er immer depressiver wird. Er erkennt sich selbst nicht mehr. In dieser Situation steht Abiadschadsche Deheba in seinem Büro. Sie berichtet ihm von Abdou, der zuhause im Senegal als Lehrer gearbeitet hat. Nun lebt er in Bari und bestreitet seinen Lebensunterhalt als Strandverkäufer von gefälschten Markenartikeln in Monopoli. Er wird beschuldigt, den neunjährigen Ciccio getötet zu haben. Abdou bestreitet die Tat aber nicht Ciccio gekannt zu haben, er sei sein Freund gewesen.

Ein Barbesitzer sagt aus, er habe Abdou gesehen, als Ciccio verschwand und die Polizei findet in Abdous Wohnung ein Polaroidfoto von Ciccio. Somit ist für die Polizei der Fall klar und Abdou wird verhaftet. Abdou sagt aus, er sei zur Tatzeit in Neapel gewesen, weigert sich aber, Zeugen zu nennen. Guido Guerrieri fühlt sich ihm irgendwie verbunden, besteht doch auch sein Leben im Moment nur aus Problemen. Er übernimmt die Verteidigung und steckt sehr schnell in der Auseinandersetzung um rassistische Vorurteile, eine voreingenommene Justiz und lausige Polizeiarbeit. Er versucht Entlastungszeugen zu finden und Fehler in der Ermittlungsarbeit aufzudecken.

Guido Guerrini hätte die Möglichkeit, einen strafmindernden Deal auszuhandeln, doch dies würde auf jeden Fall eine Gefängnisstrafe für seinen Mandanten bedeuten. Er will jedoch seine Unschuld beweisen und einen Freispruch erreichen.

Avvocato Guerrini war in der Vergangenheit nicht gerade ein Ausbund an Redlichkeit, eher ein Winkeladvokat, doch dieser Fall lässt ihn umdenken.

Mein Eindruck: Der Autor zeichnet mit Guido Guerrini eine Person, die man einfach gerne haben muss. Zuerst ist er der Süditaliener, wie man ihn sich halt so vorstellt, eben der Winkeladvokat, der alles so dreht, dass es für ihn und seine Kasse am Ende stimmt. Doch dann lässt er ihn sich verändern, wie er die italienische Justiz und auch sein bisheriges Handeln hinterfragt. Am Rande wird sogar noch eine zarte Liebesgeschichte eingebaut.

Der einzige Schwachpunkt dieses Buches ist, dass es nach knapp 290 Seiten schon zu Ende ist.

Der Autor: Gianrico Carofiglio wurde 1961 in Bari geboren und arbeitete in seiner Heimatstadt viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. Seit 2007 ist er als Berater der italienischen Regierung für den Bereich organisierte Kriminalität tätig. Bisher sind in Italien vier Romane von ihm erschienen, drei davon um den Anwalt Guido Guerrieri. Seine Bücher feierten sensationelle Erfolge und wurden mit zahlreichen literarischen Preisen geehrt, u. a. mit dem renommierten “Premio Bancarella”.

„Reise in die Nacht“, von Gianrico Carofiglio, Kriminalroman.

Verlag: Goldmann
ISBN-10: 3442464293
ISBN-13: 978-3442464296

Das Buch ist in allen guten Buchhandlungen erhältlich

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1 Kommentar zu Artikel “Buchrezension: „Reise in die Nacht“ von Gianrico Carofiglio”

  1. Gianrico Carofiglio auf Lesereise

      Donnerstag, 16. April 2009, 19:30 Uhr – Frankfurt am Main
      Moderation und Dt. Lesung: Dr. Anna Campanile
      Stadtbücherei Frankfurt am Main, Zentralbibliothek, Hasengasse 4
      In Zusammenarbeit mit dem Italienischen Kulturinstitut
      Eintritt frei

      Freitag, 17. April 2009, 19:30 Uhr – Hannover
      Dt. Lesung: Joachim Krol
      Moderation: Margarete von Schwarzkopf
      Apostelkirche Hannover

      Samstag, 18. April 2009, 20:00 Uhr – Berlin
      Dt. Lesung: Joachim Krol, Moderation: Maike Albath
      Backfabrik, Saarbrücker Str. 37

      Sonntag, 19. April 2009, 19:00 Uhr – Hamburg
      Lesung im Rahmen der Vattenfall Lesetage
      Dt. Lesung: Sebastian Dunkelberg
      Moderation: Margarete von Schwarzkopf
      Kulturhaus 73, Schulterblatt 73

      Montag, 20. April 2009, 20:00 Uhr – Köln
      Moderation: Maike Albath
      Italienisches Kulturinstitut Köln, Universitätsstr. 81

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