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Leserbrief: Paradox

(Thomas Burger – Bettlach) – Die Stadt Grenchen hat dieses Jahr den Wakkerpreis erhalten. Überall war davon zu lesen und dieses Ereignis wurde auch gebührend gefeiert. Auf dem Marktplatz hängt schliesslich immer noch ein grosses Transparent das von diesem Anlass zeugt. Just dieses Transparent viel mir auf als ich heute meine Frau zum Arzt begleitete.
Wir parkierten unser Auto neben der ETA. Anschliessend überquerten wir den Marktplatz wo mir eben dieses Transparent mit der Aufschrift Wakkerpreis 2008 auffiel. Vorher fiel mir aber der „Miniaturpark“ auf dem Marktplatz auf. Über die Problematik mit Randständigen oder Alkoholikern die zwischendurch Leute anpöbeln mag ich mich hier nicht äussern, den darüber wurde schon genug geschrieben und diskutiert.

Meine Frau ging schliesslich in die Arztpraxis die sich in der Nähe des Marktplatzes befindet. Ich benutzte derweil die Gelegenheit wieder einmal durch Grenchen zuspazieren. Es fiel mir auf, dass das eine oder andere Geschäft sich nicht mehr am gleichen Ort befindet. Ich war wohl schon länger nicht mehr im Zentrum von Grenchen. Vielleicht sollte ich noch erwähnen dass ich mich nun in der Strasse vor der Post befand. Ich spazierte also, immer noch das Wakkerpreistransparent und den Miniaturpark im Hinterkopf, nordwärts.

Was ich dann allerdings sah stimmte mich mehr als nur nachdenklich… Mitten am Nachmittag so gegen 14.00 Uhr wird, eine Strasse von Park und Wakkerpreistransparent entfernt zwischen Pub und Bushaltestelle, gedealt! Nicht etwa im versteckten… Nein ganz offensichtlich als wäre es selbstverständlich. Dies unter schönstem Sonnenschein und in einer von Passanten belebten Strasse.

Zum Szenario: Eine sichtliche drogenabhängige Frau nimmt von zwei dunkelhäutigen grossgewachsenen Männern „Ware“ entgegen. Der Geldschein wechselt den Besitzer und im Gegenzug erhält die Drogenabhängige ihren Stoff in einem kleinen Briefchen.

Und warum jetzt die Überschrift „Paradox“?

Zum einen die Drogenabhängige die auf mich heruntergekommen wirkte im Vergleich zu den beiden Dealern die sich nicht scheuten ihre Goldketten und Armbänder (ebenfalls aus dem glänzenden Metall) zur Schau zu stellen.

Und nun zum Zweiten… Dieses Schauspiel 50m Luftlinie vom „Wakkerpreis 2008“ Transparent.

10 Minuten später hole ich meine Frau vom Arzt ab, wir machen uns auf den Heimweg und auf der Rückfahrt machte ich mir so meine Gedanken. Dieses Schauspiel wiederholt sich täglich so selbstverständlich wie dies alles abläuft. Dessen bin ich mir sicher. Ich bin mir nur noch nicht sicher was mich zurzeit mehr beschäftigt. Das was ich in so kurzer Zeit alles gesehen habe oder die Selbstverständlichkeit mit der es passiert ist und toleriert wurde.

Das Drogen allgemein ein Problem darstellen dessen sind wir uns wohl alle bewusst. Heute hatte ich allerdings den Eindruck dass sich unsere Gesellschaft mit dem Bewusstsein des Drogenproblems begnügt und es dabei lässt.

Am 30.November stimmen wir über die Hanfinitiative ab. Das heutige Erlebnis hat mich zum ganz klaren Ablehnen dieser initiative bewogen. Egal welche Droge in dem von mir geschilderten Erlebnis den Besitzer gewechselt hat. Droge bleibt Droge, egal welche. Der Einstieg fängt meistens klein an.

Dies mag jetzt für die Befürworter wieder nach „schon einmal gehört“ klingen. Stimmt ja auch. Nur … Ich habe meine Lehre hier in Grenchen gemacht während 4 Jahren. Einer meiner „Stiftikollegen“ war „Hanfprodukten“ gegenüber nicht abgeneigt. Wir machten uns damals eigentlich keine Gedanken darüber. Er blieb aber mit den Jahren leider nicht bei „Hanfprodukten“.

Dieses Jahr hätte auch er seine 40igsten Geburtstag feiern können. Das Problem ist nur das er bereits vor Jahren an übermässigem Drogenkonsum gestorben ist!

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2 Kommentare zu Artikel “Leserbrief: Paradox”

  1. Wissen Sie Herr Burger, es gibt Leute, die warten schon 25 Jahre auf eine vernünftige Drogenpolitik. Aktuell ist die Situation deprimierend!!! Einerseits verbilligt man Alkohol massiv, andererseits findet eine paranoide Hexenjagd gegen Hanfbauern und Konsumenten statt, wobei geflissentlich übersehen wird, dass von dieser Situation nur die “Mafia” profitiert, welche die so generierten Gelder in den internationalen Waffen- und Menschenhandel fliessen lässt.

    Wenn sie diese Fakten bedenken, macht es wenig Sinn, ein Genussmittel zu verbieten, das viele Fans hat. Überhaupt: Ich dachte, diese Gesellschaft steht auf Selbstverantwortung?? Ja – Kuchen!

  2. Ralph Meier sagt:

    Sehr geehrter Herr Burger. Also erstens gibt es den Wakker-Preis nicht für die drogenfreie Stadt…sonst könnte man diesen Preis nämlich gar nicht verleihen. Zudem haben Sie in ihrem Bericht auch die Alkoholkranken kurz angedeutet. Vielleicht sollten Sie sich auch mal darüber Gedanken machen, dass auch dies (Alkohol) eine Droge ist, die abhängig macht und sehr viel Leid verursacht (Unfälle, Gewalt in der Familie und Öffentlichkeit) und zudem wird auch diese Droge ganz öffentlich und legal verkauft, ja sogar der Konsum noch gesellschaftlich gefördert, denn Trinken heisst ja bei uns “gesellig sein”. Die Konsumenten von Hanf oder harten Drogen schaden wenigstens nur sich selber, resp. ihrer eigenen Gesundheit. Herr Burger, ich habe selten eine derart naive und eindimensionale Darstellung der Drogenproblematik gelesen. Aber wenigstens haben Sie nun einmal, dank dem Arztbesuch ihrer werten Ehefrau damit begonnen, zu beobachten und sich Gedanken zu machen. Dies ist ein erster Schritt weg von der Oberflächlichkeit. Aber seien Sie dabei wenigstens ehrlich und verurteilen Sie nicht einfach, was Ihnen nicht gefällt. Ja und zum Thema Wakkerpreis: Grenchen hat es sicher verdient, denn diese Stadt hat es verstanden in den letzten Jahren sämtlichen “Dreck” unter den Teppich zu kehren (ohne Probleme wirklich zu lösen). Und glauben Sie mir, ich habe lange genug dort gelebt, um dies beurteilen zu können. Willkommen in der Realität, Herr Burger…!

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