(Paul-Georg Meister) – Unser Nachbar Karl hat zwei grosse Hobbies: Er ist ein absoluter Hundefan und ein Wandervogel. Ein- bis zweimal die Woche holt er deshalb unseren Hund ab und streift mit ihm stundenlang über Feldwege, durch Wälder und über die Jurahöhen.
Leon (unser Hund) und Karl (unser Nachbar) sind dicke Freunde und jeder Spaziergang endet damit, dass Karl zum Schluss in unserer Küche sitzt, zwei Boccalini Rotwein trinkt, wenn etwas Schokolade in Reichweite ist, diese sofort vernichtet und mindestens fünf unserer Zigaretten raucht. Kürzlich haben wir Karl und seine Frau zum Nachtessen eingeladen, so quasi als Dank für das „Hunde-Ausführen“.
Ich staunte nicht schlecht. Als ich Karl zum zweiten mal Wein einschenken wollte, sagte er mit einem Blick auf seine Frau: „Keinen Wein mehr, du weisst doch, ich bin Diabetiker und darf nicht so viel Wein trinken.“ Noch mehr staunte ich, als er nach dem Essen meine Einladung zum Zigaretten-Rauchen in der Küche (wir rauchen nur in der Küche) mit der Begründung ablehnte: „Ich rauche doch schon lange nicht mehr …“
Ich verkniff mir eine Bemerkung und tauschte nur einen vielsagenden Blick mit meiner Frau aus.
Später ging Karls Frau nach Hause und er machte noch einen kleinen Verdauungsspaziergang mit Leon. Und so sass er nach gut einer halben Stunde wieder in unserer Küche, und ohne eine weitere Erklärung abzugeben trank er zwei Boccalini, ass den Rest des Desserts und rauchte acht Zigaretten – da war die Welt wieder in Ordnung …
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