(Anna Meister) – Eigentlich freue ich mich ja nicht, dass mein Bruder Parzival nicht mehr bei uns in der Redaktion arbeitet. Im Gegenteil: Manchmal fehlen mir unsere aufschlussreichen Gespräche über Gott und die Welt ein wenig.
Was mir aber nicht fehlt ist seine Musik. Als „Grundsätzlich-Alles-Was-Im-Radio-Läuft-Hörer“ war klar, dass die Redaktion des Öfteren mit Sound von Internet-Radios wie 105 oder Radio BE1 beschallt wurde. Dies alles ist ja gut und recht, auch wenn ich mit Radio-Musik nicht sonderlich viel anfangen kann. Was mich aber störte, war dieses ständige Wiederholen der Songs. Klar, wenn man nicht den ganzen Tag den selben Sender hört, fällt das einem nicht auf, aber wenn man von neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends sage und schreibe 11 (!!) mal der selbe Song von Madonna zu hören bekommt, fängt es (jedenfalls bei mir) irgendwann mal an zu leiern…
Da es aber ausser mir niemandem im Büro auffiel, beschloss ich, eine Strichliste zu führen, wie oft gewisse Lieder pro Tag liefen. Nachdem ich meine Resultate, die meiner Meinung nach grausam monoton waren, dem Rest der Redaktion präsentierte, meinten die anderen nur: „Du bist aber auch die einzige, der das auffällt…“ So liefen die Radios munter weiter und meine Nerven lagen bald mal blank. Nun da Parzi weg ist, bin ich für den Sound verantwortlich. Und endlich läuft mal, was ich will! Im Internet habe ich mir mein eigenes kleines Radio zusammengebastelt mit fast 600 Songs drauf, welche nun per Zufall abgespielt werden. Doch nun kommt’s: Nun beschwert sich mein Chef, was für kranke Musik ich eigentlich tagtäglich höre, nur wenn sich Metal und Bum-Bum frisch fröhlich und in meiner Meinung nach niederer Lautstärke, abwechseln. Nur Sabine scheint kein Problem damit zu haben. „Ich höre eigentlich alles.“, hat sie mir versichert. Und ich war mir sicher, dass in MEINEM Programm die nötige Abwechslung vorhanden wäre.
Aber eben, ich WAR mir sicher… Als eines Tages eine bestimmte Ballade von Deine Lakaien gespielt wurde, begann Sabine plötzlich, die Melodie zu pfeifen und zu summen! Und als ich sie darauf ansprach, meinte sie nur: „Das Lied lief nun schon soo oft in deinem Radio…“ Naja, wie sagt man doch in Solothurn so schön: „S isch immer eso gsy…“ Und offenbar hat sich da bei meiner kleinen „Reformation des Büro-Sounds“ punkto Wiederholungen doch nicht so viel geändert wie ich angenommen habe…








