pgm communications
   Hinzufügen zu Google Reader oder Startseite   Hinzufügen zu My Yahoo

Kolumne – Japan: Einige nervige und einige erstaunliche Erfahrungen

(Foto: zvg)

(Michel Studer) – Japan hat sich seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts völlig vom Rest der Welt abgeschottet. In den folgenden 250 Jahren resultierte durch diese selbst auferlegte Isolation in allen Bereichen ein erheblicher Rückstand auf die westlichen Länder, den die Japaner seit der durch die Amerikaner im Jahre 1853 erzwungene Öffnung verzweifelt aufzuholen versuchten. Und das gelang ihnen mit unglaublichem Erfolg.
Rasch wurde Japan zu einer militärischen Grossmacht ganz im Stile von Preussen, und es musste sich vor niemandem mehr verstecken. Nach der Demütigung von Hiroshima und Nagasaki wurde Amerika wegen dessen Stärke zum neuen Vorbild erkoren. Obwohl man versuchte, das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ zu kopieren wo es nur ging, blieb Japan in vielen Belangen besonders und einzigartig.

Auch uns europäischen Austauschstudenten fallen natürlich all die kleinen und grossen Unterschiede zum westlichen Kulturkreis auf. Das sind manchmal lustige, manchmal nervige und manchmal erstaunliche Dinge; und meine Freundin Aline und ich möchten in diesem Artikel einige von unseren Erfahrungen auflisten.

- In den Ortschaften trifft man ungefähr alle fünfzig Meter auf einen „Jidou Hanbai Ki“, einen japanischen Getränke-Automaten. Man muss hier also nie Durst leiden. Es kann auch schon Mal vorkommen, dass eine moderne Variante dieser Automaten mit einem spricht…
- Die Waschmaschinen werden nur mit kaltem Wasser betrieben und die Wäsche füllt man von oben her ein. Trotz des kalten Waschens wird eigentlich alles ziemlich sauber.
- Überall in den Städten schiessen „Konbini“ wie Pilze aus dem Boden; das sind winzige Supermärkte, die rund um die Uhr geöffnet haben. Falls man am Sonntagmorgen also feststellt, dass keine Milch mehr im Kühlschrank steht, muss man sich keine grossen Sorgen machen.
- Es kann vorkommen, dass man vor einem Restaurant wegen des grossen Andrangs bis zu vierzig Minuten warten muss, bis man endlich einen Tisch zugewiesen bekommt. Vor vielen Restaurants gibt es extra Bänke oder Stühle, die einem das Warten ein wenig erleichtern.
- Japanische Toiletten sind wahre High-Tech Maschinen mit Bedientastatur und eingebauter Sitzheizung. Dennoch trifft man ab und zu noch die traditionellen Toiletten an, die entfernt an ein einfaches Plumpsklo erinnern.
- Zentralheizungen gibt es ausser in Hokkaido, der nördlichsten Insel, nicht. Geheizt wird im Winter mit Klimaanlagen, von denen in jedem Haus mehrere Stück installiert sind. Da die Isolation in den Häusern jedoch zu wünschen übrig lässt, sieht man in der kalten Jahreszeit zuweilen schon mal seinen eigenen Atem.
- Ein weiterer toller Punkt: DVD-Filme kann man pro Tag für gerade Mal SFr. 1.89 ausleihen. Deswegen gibt es fast keinen Film mehr, den wir noch nicht gesehen haben…
- Die ganze Woche hindurch kurven kleine, mit Lautsprechern ausgerüstete Lastwagen durch die Strassen und dröhnen einen mit den ewig gleichen Werbesprüchen die Ohren zu. Besonders am Wochenende eine ziemliche Plage. Wir dachten auch schon ernsthaft darüber nach, einen besonders aufdringlich Werbenden mit Eiern zu beschmeissen…
- Es gibt viele „All you can eat“-Restaurants. Das heisst, man bezahlt einen fixen Preis und kann sich dann innerhalb von zwei Stunden mit den Köstlichkeiten vom Buffet den Bauch vollschlagen.
- Im Supermarkt: Die Kassiererinnen stehen die ganze Zeit über hinter einer kleinen Kasse ohne Fliessband, rezitieren bei jedem gescannten Artikel noch einmal den Preis und räumen die Waren dann gleich in einen neuen Korb.
- Viele junge Japanerinnen haben einen in unseren Augen seltsamen Stil: sie färben sich die Haare blond, tragen riesige Sonnenbrillen à la Paris Hilton, sind selbst im Winter in unanständig kurzen Mini-Röcken unterwegs, tragen eine Tonne Schminke im Gesicht und zehn Zentimeter hohe Absätze gehören sowieso zur Standartausrüstung, auch wenn sie sich auf einen Ausflug in die Natur begeben.
- Anders als bei uns sieht man in Japan Comiclesen nicht bloss als eine Beschäftigung für Kinder und kindische Erwachsene an. Es ist keine Seltenheit, wenn man in der U-Bahn gestandene Geschäftsmänner in allen Altersgruppen beim Durchblättern der sogenannten „Manga“ (jap. Comics) antrifft. (Es sei nur am Rande erwähnt, dass in Japan mehr Papier zu Comics als zu Toilettenpapier verarbeitet wird.)

Ähnliche Beiträge

Tags: , , ,


Kommentar hinterlassen

Sie müssen sich anmelden um Kommentare hinterlassen zu können.

  • Inhaltsverzeichnis

  • Sponsoren

  • Archiv

  • Sportlerehrung 2010
    Böög-Verbrennen
    Lunapark
    Kinderball
    Kinder-Umzug
    Guggen-Night und Gwunder-Bar
    Umzug Teil 2
    Umzug Teil 1
    Goschen-Nacht Teil 2
  • Expand all | Collapse all


  • Wetter

    Grenchen
    21. März 2010
    Bewölkt
    Bewölkt
    14°C
    Gefühlte Temperatur: 13°C
    Aktueller Luftdruck: 1019 mb
    Luftfeuchtigkeit: 76%
    Wind: 2 m/s W
    Böen: 2 m/s
    Sonnenaufgang: 6:32
    Sonnenuntergang: 18:44
    Mehr...
     
  • Translator