(Paul-Georg Meister) – Mein Kollege Kurt ist ein praktisch veranlagter Mensch. Seit er das Seminar „Ordnung ist das halbe Leben“ mit Abschlusszertifikat beendet hat, überlässt er nichts mehr dem Zufall. Und da er vor einigen Wochen noch den Kurs „Geiz ist geil“ besucht hat, setzt er seine Ordnungsliebe nun dazu ein, möglich viel Profit aus dem Leben zu schlagen.
Das hat seine Auswirkungen. Zum Beispiel die, dass Kurt seinen alten Militärtornister wieder aktiviert hat. Dabei stört es ihn keineswegs, dass der graue, antiquierte Rücksack nun einfach nicht zu einem dezent dunkelblauen Zweireiher mit sibergrauer Krawatte passt; das ist ihm sch….egal. „Warum trägst du deinen alten Militärrucksack immer mit dir rum?“, fragte ich ihn kürzlich.
„Weil das Leben nicht mehr anders zu meistern ist, wenn man etwas profitieren will“, war seine Antwort. Er muss meinen erstaunten Blick gesehen haben, denn plötzlich riss er sich den Rucksack vom Rücken und zeigte mir seinen Inhalt.
Ich staunte nicht schlecht. In seinem Rucksack steckten eine hölzerne Kartei, zwei grosse Ordner, ein Bostitch, verschiedene Leuchtstifte, diverse Klebebänder, eine Taschenlampe und ein kleiner Taschenrechner. Und ehe ich fragen konnte, wozu er das alles brauche, öffnete er die hölzerne Kartei. Darin waren alles kleine Kärtchen fein säuberlich alphabetisch eingeordnet.
Da kam Kurt ins Schwärmen: „Heute bekommst du doch überall Treuekarten und Treuebons“, erklärte er, „da ist es schwierig, zum einen den Überblick zu halten, zum andern ist es fast noch schwieriger, diese immer dabei zu haben, wenn du profitieren kannst.“
Deshalb also der Rucksack, wollte ich sagen, doch Kurt liess mich nicht zu Wort kommen. „Schau da, das ist die Treuekarte vom Feldschlösschen, jede 11. PizzA ist gratis“, schwärmte er, „und da ist mein Fonduepass, jedes 11. Fondue ist gratis; und da ist mein Zopfpass, jeder 11. Zopf ist gratis; und das beste, wenn der Zopf mehr als 10 Franken kostet bekommst du noch ProBons“, sagte er mit einem seligen Lächeln und zog eine Karte aus seiner Kartei, die bereits zu zwei Dritteln mit ProBons gefüllt war.
Während Kurt sich bückte, und weitere Kärtchen aus dem Rucksack zog, habe ich mich französisch verabschiedet. „Der spinnt doch“, schoss es mir durch den Kopf, „der hat sie doch nicht mehr alle.“
Doch ganz ehrlich gesagt, ich ahne Böses. Heute morgen hat mich meine Frau nämlich gefragt, ob ich meinen alten Militärrucksack eigentlich noch brauche …
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Tags: Kolumne, kundenkarte, treuekarte









…eigentlich kann man das auch! genau umgekehrt geniessen.
Die armen Grossen sammeln was von uns;
sie wollen das wir ihren “Rucksack” füllen…
- Daten – Fakten – Statistik’en -
Was, sie haben keine Kundenkarte?
Eine Verkäuferin hat mir mal geantwortet: “So sprechen wir doch wenigstens miteinander”…