(Paul-Georg Meister) – Die Stadt Grenchen wird bekanntlich am 28. Juni offiziell den Wakkerpreis 2008 erhalten. Zum Auftakt einer losen Serie über verschiedene besondere Bauten in Grenchen sprachen wir mit dem Grenchner Stadtbaumeister Claude Barbey über die Bedeutung dieser aussergewöhnlichen Auszeichnung.
Dass die Stadt Grenchen mit dem Wakkerpreis 2008 ausgezeichnet wird, hat bei vielen Erstaunen ausgelöst. Wer Grenchen – vor allem die architektonischen Bauten – besser kennt, ist nicht erstaunt. Einer, der sich nicht nur gut auskennt, sondern der mit seinem Schaffen in den vergangenen Jahren sogar massgeblich zu diesem Erfolg beigetragen hat, ist Stadtbaumeister Claude Barbey.
„Klar war ich überrascht, dass Grenchen in diesem Jahr mit dem renommierten Wakkerpreis ausgezeichnet wurde“, beginnt Claude Barbey unser Gespräch, „aber ich habe gewusst, dass man sich schon seit einiger Zeit für Grenchen interessiert, aber nie an eine solche Auszeichnung geglaubt.“ Die Wakkerkommission hat Grenchen dreimal offiziell besucht, das erste Mal im Winter 1999 / 2000, das letzte Mal Anfang Oktober 2007.
Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Während einer Periode von rund zehn Jahren beobachtet der Schweizerische Heimatschutz jeweils die Entwicklung in rund 40 bis 50 Gemeinden und Städten, weiss Barbey. Dabei werden verschiedene Kriterien im Auge behalten. Diese sind in Grenchen erfüllt. So ist beispielsweise eine qualitative Weiterentwicklung und Aufwertung des Ortsbildes in Grenchen sichtbar, genauso wie der respektvolle Umgang mit alten Siedlungsstrukturen und mit der bestehenden Bausubstanz.
Was nach Ansicht von Claude Barbey sicher auch zur Preisvergabe an Grenchen geführt hat, ist die Ortsplanungsrevision, die eine modernen städtebaulichen Entwicklungen fördert, die Aufwertung des öffentlichen Raumes und die gleichzeitig der Umgang und die Sanierung der Architektur der Nachkriegszeit welche in Grenchen einen wichtigen Stellenwert einnimmt.
Warum also sind so viele Leute erstaunt, dass Grenchen mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet wurde? Auch auf diese Frage kennt Claude Barbey eine Antwort. „Früher wurden vor allem schöne, pittoreske Altstädte und Dorfbilder ausgezeichnet“, erklärt er: „Damals, in den 70er-Jahren wurden Gemeinden wie Stein am Rhein, Guarda oder Ernen ausgezeichnet; dies haben noch viele Leute in Erinnerung.“
In den letzten Jahren aber hat sich der Fokus des Schweizerischen Heimatschutzes verschoben. Noch immer werden mit dem Wakkerpreis Gemeinden und Städte ausgezeichnet, welche bezüglich Ortsbild und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen erbringen, doch im Zentrum stehen heute Gemeinden, welche ihren Siedlungsraum unter zeitgenössischen Gesichtspunkten sorgfältig weiterentwickeln. Dabei wird auch eine Gesamtbeurteilung erstellt, welche unter anderem Landschafts- und Umgebungsschutz, Verkehrsplanung, Wohnqualität und Nachhaltigkeit beinhaltet.
Und genau diese Vorgaben sind in Grenchen erfüllt. Claude Barbey: „Durch die stadtplanerischen und baulichen Massnahmen, die übrigens von den politischen Behörden und auch vom Volk an Gemeindeversammlungen und teilweise an der Urne (Haldenschulhaus) immer wieder gutgeheissen wurden, konnten wir in Grenchen die Grundlagen zur positive Entwicklung schaffen, die nun zu dieser Auszeichnung geführt hat“.
Für Claude Barbey ist der Wakkerpreis deshalb nicht nur eine Auszeichnung für die gesellschaftlichen Leistungen in der Vergangenheit, sondern für alle auch eine Verpflichtung für die Zukunft. Der Preis bestätige, dass die Stadt Grenchen auf dem richtigen Weg sei. Zudem zeige er auf, dass Grenchen viele Werte habe, die man erhalten, schützen und fördern müsse. „Im letzten Jahrzehnt wurde von der Stadtbehörde auch die Chance erkannt und genutzt, sich städtebaulich weiter zu entwickeln, um der Stadt Schritt für Schritt ein neues Gesicht zu geben. Nicht zuletzt ist dieser Effort nun vom Schweizerischen Heimatschutz mit der Vergabe des Wakkerpreises gewürdigt und anerkannt worden,“ ist Barbey überzeugt.
www.grenchen.net wird in den kommenden Wochen in einer loser Serie einige besondere Bauten aus der Nachkriegszeit, aber auch verschiedene interessante städtebauliche Entwicklungen, näher vorstellen.
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