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Roj Mittelschulen Regio Jurasüdfuss zeigen neue Wege auf

Rounde Table in der ROJ: (v.l.n.r.) Thomas Stöckli, Allen Guggenbühl und Heinz Bläsi. (Foto: Fabio Blaser)

(Susann Meister) – Was können Jugendliche tun, wenn sie durch die gängige Form der Schulsozialisation überfordert sind, sich immer mehr auf den Rand der Gesellschaft zu bewegen und keine Möglichkeiten mehr finden, den Übergang ins Berufsleben zu schaffen? Das Forschungsinstitut ipf lud zu einer Table Ronde, um mit Pädogogen, Allan Guggenbühl und verschiedenen Vertretern kantonaler Behörden zu diskutieren.Die ROJ Mittelschulen Regio Jurasüdfuss, die seit 15 Jahren bestehen, haben erkannt, dass sie nicht nur Schülern auf Fachmittelschul-Niveau Wissen vermitteln sondern auch weniger privilegierten Jugendlichen helfen wollen, fit fürs Leben und die Arbeitswelt zu werden. Sie luden zu einer Table Ronde, an der neben dem schweizweit bekannten Allan Psychologen und Erziehungsberater Guggenbühl, viele Vertreter kantonaler Behörde, wie Hugo Ruf, Case Management Berufsbildung, Rolf Meyer, Fachhochschule Nordwestschweiz, Leiter CAS Schulleitung, Renate Balmer, Departement Bildung und Kultur, Vertreter des Amtes für Volksschule und Kindergarten, der SOVE und weitere Interessierte teilnahmen. Professor Dr. Guggenbühl gewährt für dieses Projekt die wissenschaftliche Begleitung.

Neben den bekannten staatlichen Angeboten wie Motivationssemester und Brückenangebote bieten die ROJ Mittelschulen Regio Jurasüdfuss seit diesem Sommer erstmals eine Coachingklasse an. Die Jugendlichen dieser Klasse, im Moment sind es zehn Schüler, bekommen individuelles Coaching, ihren Bedürfnissen angepasste Schulung und sollen in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden. Ein Schüler und eine Schülerin erzählten, was ihre Motivation gewesen sei, von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Beide wünschen sich, dass sie nach abgebrochenen Lehren und entsprechend schlechten Chancen in der Berufswelt in der Coachingklasse Antrieb erhalten und Vorbereitung auf eine neue Lehre.

Erfahrungen im Praktikum sammeln

Der Unterricht, so erläuterte Heinz Bläsi, Sozialpädagoge, setzt sich zusammen aus dem üblichen Schulstoff, bietet aber auch Kreativfächer wie Tanz, Farbenlehre und weiteres an. Wöchentlich finden mit den Schülern auch Einzelgespräche statt. Neben drei Tagen Schule, absolvieren sie, wie alle Schüler der ROJ, an zwei Tagen ein Berufspraktikum. Dies helfe ein anderes Selbstwertgefühl zu entwickeln, da man in einem Praktikum Erfahrungen sammeln könne, erklärte Thomas Stöckli, Mitbegründer der ROJ und Mitinitiant der Coachingklasse.
Dank dem Forschungsinstitut ipf (Initiative für Praxisforschung) verfügt das Projekt über internationale Kooperationen. Die Coachingklasse versteht sich als Modellprojekt, das in Zusammenarbeit mit IKM (Institut für Konfliktmanagement und Mythodrama von Prof. Dr. Allan Guggenbühl,) weiter entwickelt wird.

Allan Guggenbühl erläuterte an der Table Ronde wie wichtig es sei, Jugendliche mit Problemen nicht auszuschliessen, sondern ihnen einen Weg zurück in die Gesellschaft zu zeigen. Man dürfe sie nicht nur mit defizitären Diagnosen wie POS, ADHS etc. abqualifizieren, sondern müsse sie mithilfe einer Bezugsperson coachen, sich mit ihnen auseinander setzen und sie in ihrer Persönlichkeit und eigenen Befindlichkeit abholen. Dazu brauche es solche Schulen, meinte Guggenbühl, die eine Verbindung zur Berufswelt herstellen. So können die Jugendlichen gefordert werden, was sie ja auch suchen und so erhalten sie Bestätigung, manchmal auch in Bereichen, wo sie es gar nicht für möglich gehalten hätten.

Enge Kooperation als Ziel

Zentrales Ziel und Anliegen ist, laut Thomas Stöckli; eine enge Kooperation und Einbindung in die laufenden Arbeiten und Projekte der kantonalen Behörden und der Experten vor Ort.
An der Table Ronde waren verschiedene Vertreter kantonaler Behörden anwesend. Im zweiten Teil der Gesprächsrunde wurde betont, wie wichtig es sei, Jugendliche ohne Perspektive zu unterstützen, es stellte sich aber auch bald die Frage nach der Finanzierung.

Die ROJ ist eine Privatschule und die Schüler, auch die der Coachingklasse, bezahlen Schulgeld. Dies ist aber vor allem für sozial schwächere Familien oder Migranten eine grosse Hürde. Der Kanton ist sehr restriktiv bei der Finanzhilfe an Private und doch ist zu hoffen, dass bei Erfüllung vorgegebener Standards der Kanton Finanzhilfe gewähren würde, dies wurde deutlich von verschiedenen Seiten angeregt und auch erwartet. Ein Vertreter der Jugendpolizei betonte, dass wer eine Lehrstelle finde, auch seinen Weg finde, da wieder eine Perspektive vorhanden sei. Ein Besucher aus der Basel Landschaft forderte die Anwesenden auf, zur Idee der Coachingklasse Sorge zu tragen, sie moralisch und finanziell zu unterstützen. Solothurn könne sich glücklich schätzen, dass diese Initiative entstanden sei.

Am 31. 0ktober 07 wird eine weitere Table Ronde stattfinden. Es wird dann wohl alle interessieren, wie es mit den Schülern der Coachingklasse weitergegangen ist und bis dann werden sicher weitere Gespräche mit Behörden und Fachleuten stattgefunden haben.

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