(Sabine Waelti) Als ich etwa 13 war, da hatte ich eine Biologie-Lehrerin, die hiess Frau Meckerle. Frau Meckerle hat uns nicht nur die Einzelteile diverser tierischer Innereien auswendig lernen lassen, sie hat uns auch mit allen möglichen lebenspraktischen Weisheiten beglückt. Frau Meckerle hatte entweder ein sehr schlechtes Gedächtnis oder sie hatte begriffen, dass man 13-Jährigen alles in mehrfacher Ausführung mitteilen muss, wenn man will, dass sie es aufschnappen, weil sie im Unterricht entweder dösen, Bravo lesen oder einander Zettelchen schreiben (Handy gabs damals noch nicht). Jedenfalls hat Frau Meckerle ihre kantigen Sätze mit solch penetranter Regelmässigkeit wiederholt, dass ich anfing, eine „Strichli-Liste“ für ihre Erkenntnisse zu führen anstatt zu dösen, Bravo zu lesen oder Zettelchen zu schreiben.
Eine von Frau Meckerles Weisheiten holt mich bis heute immer wieder ein: „Die Schule ist wie ein Supermarkt. Das Angebot ist da. Sich beschaffen muss man es selber. Wer das nicht tut, hat einfach nichts zu essen.“ Was den Unterricht angeht, so habe ich Frau Meckerles Philosophie spätestens begriffen, seit ich meine Ausbildungen selber bezahle. Was ich hingegen bis heute nicht gelernt habe: anständig einzukaufen, so lange der Supermarkt noch offen ist.
Wenn ich also jeweils wieder mal einen Abend bei Wasser und hartem Brot friste, weil Coop Pronto und Co. schon geschlossen sind, dann kommt sie mir jeweils wieder in den Sinn, die gute Frau Meckerle, und dann denke ich immer: „Recht hat sie gehabt!“
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