
(Paul-Georg Meister) Mit „Schau nicht unters Rosenbeet“ zeigt die Schopfbühne Grenchen einen turbulenten Comedy-Thriller mit viel schwarzem Humor.Die Geschichte ist interessant: Rund um eine mysteriöse Erbschaft in einem nicht minder sonderbaren Haus mit durchgeknallten Bewohnern, beispielsweise einer Giftmischerin, einem Werwolf im Keller oder Julius Cäsar persönlich, werden langsam aber sicher alle Erbberechtigten um die Ecke gebracht. Wer ist der Mörder oder ist es gar eine Mörderin? Oder steckt dahinter ein Komplott?
Drei überzeugende Darstellerinnen
Mit viel Witz, englisch-schwarzem Humor und immer neuen überraschenden Wendungen hat der britische Autor Norman Robbins mit „Schau nicht unters Rosenbeet“ ein Stück geschrieben, das einem einen vergnüglich, interessanten Theaterabend bieten könnte. Dies tut die Aufführung der Schopfbühne Grenchen denn auch über weite Teile. Vor allem Felisa Del Rio als vollkommen irre Giftmischerin Dora Henk, Pia Schild als rabiate und rücksichtslose Emily Henk und Caroline Gandola als Männer verschlingender Vamp (Monica Henk) drücken dem Spiel ihren Stempel auf und überzeugen durch ihr Können, durch ihre Spielfreude und durch eine grosse schauspielerische Kraft.
Männliche Darsteller wenig glaubwürdig
Anders die Rollen der Männer: Weder Lucien Henk (dargestellt von Robert Koch), noch Markus Henk als Julius Cäsar (dargestellt von Roland Favre) als auch Peregrine Perry Potter (Daniel Saur) vermochten letztlich zu überzeugen. Gute Ansätze waren zwar vorhanden, aber immer wieder glitten sie in ein Spiel ab, das nicht mehr glaubwürdig war und Kurt Huber wirkte als Hamilton Penworthy mit seiner steifen Haltung und seiner monotonen Sprechweise eher langweilig als überzeugend.
Vermisst: Regie
Dies alles darf aber nicht allein den Darstellenden angelastet werden, vielmehr vermisst man in diesem Stück die Regie. Nicht selten stehen die Schauspieler/innen eher zufällig auf der Bühne rum und die Dialoge werden nicht miteinander sondern entweder mit unsichtbar Anwesenden oder mit dem Publikum geführt. Regisseur Reto Baumgartner hätte mit dem Ensemble der Schopfbühne eine gute und formbare Truppe zur Hand gehabt, anscheinend hat er dies zu wenig genutzt. Auch in Sara Gähler (als Krankenschwester Anne Franklin) und Jessica Schneider (Rose Hammond) und wohl auch in Claudine Henzi (Freda Mountjoy) steckt mehr schauspielerisches Potenzial, schade dass die Regie das nicht bemerkt und nicht gefördert hat.
Dennoch sehenswert
Ist das Stück deshalb nicht sehenswert? Sicher doch. Trotz allem kann man in der Schopfbühne Grenchen einen vergnüglichen Theaterabend erleben, wenn man einfach dann und wann mal ein Auge zudrückt und sich an den vielen kleinen Highlights freut. Im Hinterkopf hat man ja so oder so die Erinnerung an vergangene Aufführungen und weiss, diese Truppe kann mehr. Und das ist doch ein gutes Omen für die Zukunft…
Mehr Informationen finden Sie unter [www.schopfbuehne.ch] (Dieser Link bezog sich auf eine alte Version von grenchen.net und könnte unter Umständen nicht mehr besucht werden.)
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