(Parzival Meister) Kennen Sie die Trickfilmserie „South Park“? Wenn Sie sie kennen, dann wissen Sie es ganz bestimmt. So was vergisst man nicht: Krass, derb, stets unter der Gürtellinie, eine pure Parodie auf die Gesellschaft, Sarkasmus ohne Ende, der aktuelle Kinofilm „Borat“ ist Nasenwasser dagegen, der Humor ist schwärzer als schwarz, Tabus sind schlichtweg nicht vorhanden, … Sie verstehen, was ich meine!Es gab da eine spezielle Folge, an die ich immer gerne zurückdenke. An der Schule in „South Park“ plante man eine Weihnachtsfeier. Krippenspiel, Gesang, ein grosser Weihnachtsbaum auf der Bühne, … wie dies halt der alljährliche Brauch war. Genau, war! Bei der Sendung handelte es sich um eine rabenschwarze Parodie auf die „Political Correctness“. Die Schulkommission gab nämlich die Anweisung, dass mit der Weihnachtsfeier keine Religion in irgendeiner Form diskriminiert oder vernachlässigt werden darf. Logische Schlussfolgerung: Alles musste religionsneutral sein. So waren bei den Proben denn auch die Zensoren unterwegs. Jede Liederstrophe wurde in Frage gestellt, das Bühnenbild enthielt zu viele christliche Symbole, der Weihnachtsbaum wurde entschmückt und zu guter Letzt musste auch noch der Name „Weihnachtsfeier“ gestrichen werden. Das Resultat war absehbar: Die Aufführung fand auf einer kahlen Bühne neben einem noch kahleren Tannenbaum statt. Gespielt wurde irgendwas, nur nicht das Krippenspiel und von den Weihnachtsliedern war nur noch die Melodie übrig.
„South Park“ ist die Sorte Humor, die man einfach auf sich einprasseln lassen muss. Schaltet man den Verstand ab und schiebt den kleinen Moralapostel in unserem Innern zur Seite, sind die Lacher garantiert. Und zwischen den Lachern denkt man sich: was für eine kaputte Gesellschaft. Zum Glück ist die Realität nicht so. Und hoffentlich wird sie nie so werden!
Neulich lass ich im Blick von der Forderung von Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes. Gestützt auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit meint dieser: Adventskränze und Christbäume gehören nicht ins Schulzimmer. Denn niemand darf zu religiösen Handlungen oder religiösem Unterricht gezwungen werden.
Sofort dachte ich, dass Mister Zemp die besagte „South Park“ Serie wohl nie gesehen hat. Gleichzeitig fand ich es aber traurig, dass er sie hätte schreiben können. Wenn die Aussagen einer der derbsten Trickfilmserien mit der des Verbandpräsidenten übereinstimmen, kann dies für mich nur eines bedeuten: Betrachten wir die Forderung als einen bösen Witz, schalten den Verstand ab und lachen drüber!
Aber zum Glück bleibt Satire Satire und der Blick eine Boulevard-Zeitung, die manchmal verkrampft nach einem Skandal sucht. Denn wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, sagte Zemp lediglich, dass niemand zu religiösen Feiern gezwungen werden könne und sprach Weihnachten dabei gar nicht an. Dass Christbäume aus Schulhäusern verschwinden, bleibt (hoffentlich) nur ein böser Witz einer Trickfilmserie. Also lachen wir halt einfach über die Story, geniessen den vorweihnächtlichen Stress und freuen uns auf die Festtage.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!
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