
(Parzival Meister) Grenchens Star-Figaro feierte am Samstag unter grosser Anteilnahme der Coiffure-Prominenz und der Bevölkerung sein 30-Jahr-Jubiläum. Unser Redaktor Parzival Meister hat sich bei Fritz Schlup unter die Schere gelegt.„Ciao Figaro!“ „Hallo chline Dicke!“ Nein, diese Begrüssung nehme ich Fritz Schlup nicht übel – keiner der ihn kennt, tut das. So ist er, offen und direkt, Grenchens Star-Figaro, der fast jeden, über den er spricht, als „schurigä Siech“ bezeichnet. Und zu erzählen weiss er über (fast) alle etwas. Fritz ist ein Stadt-Original, er kennt Grenchen und Grenchen kennt ihn. „Wenn jemand etwas will, kommt er zu mir“, erklärt der 56-Jährige, der auch ab und zu jemandem eine Wohnung oder ein Auto vermittelt, wenn er danach gefragt wird. In seinem Salon „Création Marc“ kriegt er schliesslich so einiges mit. Und so gut Fritz über Grenchen und seine Einwohner Bescheid weiss, so sehr liebt er sie auch. Denn obwohl er in einer Grossstadt wahrscheinlich ein grösseres Geschäft hätte betreiben können und es ihm an Angeboten auch nicht fehlt, so ist er aus einem Grund in Grenchen geblieben: „Ich bin wegen den Leuten hier!“
Während mir Fritz von seiner Vergangenheit erzählt, hat er mit dem Schneiden meiner Haare bereits begonnen. „Was verpasst Du mir überhaupt für einen Schnitt“, will ich von ihm wissen. „Wie es halt so getragen wird, nicht zu kurz, …“ Der Figaro erklärt mir seine Absichten. Ich vertraue ihm – schliesslich zeugen nicht nur sein Ruf, sondern auch unzählige Pokale und Urkunden von seinem Können. Doch der Satz „aller Anfang ist schwer“ trifft auch auf Fritz Schlup zu. Denn der Mann, der heute einen Salon in Grenchen mit sechs Angestellten sowie ein Geschäft in Studen mit vier Angestellten führt und einen Kundenstamm verzeichnen kann, der weit über die Region herausreicht – eine Kundin kommt zum Beispiel vier Mal im Jahr extra von Mailand nach Grenchen – hatte am Anfang hart zu kämpfen. Als er vor 30 Jahren seinen Salon „Création Marc“ an der Bielstrasse eröffnete, musste er am Wochenende zusätzlich als Küchenhilfe jobben, um die Löhne seiner beiden Angestellten bezahlen zu können.
Bevor Fritz seinen Salon an der Bielstrasse eröffnete, wo er 25 Jahre lang tätig war – aus Platzmangel zog er an die Bahnhofstrasse – absolvierte er die Handelsschule. Gut Berndeutsch ausgedrückt, hat ihn dieser Beruf aber „agschisse“. Imponiert habe im hingegen schon immer das Handwerk des Coiffeurs. Trotz der grossen Gegenwehr aus seinem Umfeld, nur seine Mutter stand hinter seiner Entscheidung, begann er die Ausbildung zum Coiffeur. Erst viele Jahre später sei er für seine Arbeit akzeptiert worden. Fritz liess sich von seinem Weg nie abbringen und eröffnete im Alter von 25 Jahren seinen Salon. Er war damals der wohl jüngste Salonbesitzer und hatte dementsprechend auch junge Ideen, die nach den Startschwierigkeiten zu fruchten begannen. Fritz war einer der ersten, der auch Männern eine Dauerwelle verpasste und ihnen die Haare färbte. Im Alter von 30 Jahren begann er an Preisfrisieren teilzunehmen. Er hatte Erfolg. Grossen Erfolg! Vier Mal wurde er mit seinen Kreationen Weltcupsieger – ein Wettbewerb des Weltverbandes „Haut Coiffeur“. Zwei Mal wurde er von einer Modezeitschrift in die USA eingeladen. Er stylte Models regelmässig für verschiedene Zeitschriften und fürs Fernsehen. Blickt er auf seine Erfolge zurück, so fallen bei Fritz zwei Namen: Günther Amman und Erminio Concari. Ersterer ist der Präsident des Verbandes „Haut Coiffeur“ und Concari der ehemalige Equipenchef der Schweizer Nationalmannschaft. Sie beide haben ihn entdeckt und gefördert. Wenn er diese Namen ausspricht, kann er seine Dankbarkeit nicht verbergen.
Heute erinnern unzählige Pokale, Urkunden und natürlich viele Fotos an die Glanz-Zeiten des Grenchner Figaros. Diese sind aber im hinteren Teil seines Ladens oder gar in Kisten untergebracht. Fritz macht den Jungen Platz. Den Eingangsbereich des Salons zieren die Pokale seiner Leute. Auch zur Schere greift er heute nicht mehr so oft. Dies hat unter anderem mit seinen Bein-Problemen zu tun. Ein anderer Grund ist, dass Fritz im Verband sehr aktiv ist. Aus dem 4-fachen Weltmeister wurde der Jury-Obmann des Weltcups, er ist nun Equipenchef der Schweizer Senioren Nati und der Grenchner gibt etliche Schulungen. Auf die Frage, ob er schon an seine Pension denke, entspringt dem 56-Jährigen nur ein Lachen: „In 20 Jahren vielleicht!“ Seine Arbeit betrachte er mittlerweile als sein Hobby. Er habe Freude an seinem Geschäft, denn dieses laufe gut. Und das führt er vor allem auf sein junges Team zurück. Ist einer dieser Mitarbeiter in der Nähe, wird er vom Chef zwar gestichelt. Doch kaum sind wir wieder unter vier Ohren, weist er mich auch schon stolz auf die Qualitäten seines Nachwuchses hin. Typisch Fritz, „ä schurigä Siech ebä“!
Und wenn wir schon bei typisch Fritz sind: Der Figaro legt die Schere beiseite und stylt mir meine Haare. Das Resultat kann sich sehen lassen – ich hätte es auch nicht anders erwartet…
Ähnliche Beiträge
Tags: biel








