
(Daniel Trummer) 1970 wurde der Freundschaftsvertrag unterschrieben. Am vergangenen Samstag fand ein Treffen der Behördevertreter von Sélestat und Grenchen statt. Acht Gemeinderäte, der Stadtpräsident und der Stadtschreiber reisten ins Elsass. Die Organisations- und Regierungsformen der beiden Städte interessierten.Ein Kleinbus der BGU führte die Delegation in die Grenchner Partnerstadt. Sélestat liegt zwischen Colmar und Strasbourg. Gemeinderäte der SP, FDP und SVP besuchten die Kleinstadt an der Ill und trafen ihre Kollegen. Der Stadtschreiber von Sélestat, Fabien Vispi erläuterte den Aufbau der Verwaltung gab einige Infos zu seiner Stadt: 2001 waren Neuwahlen. Die Stadträte werden für sechs Amtsjahre gewählt. Der Rat wählte Marcel Bauer zum Bürgermeister. Die UMP (Union pour un Mouvement Populaire) erreichte mit etwas über 50 % die Mehrheit im 33-köpfigen Stadtrat. Die UMP ist ein Wahlbündnis von Gaullisten, Zentristen, Christlichdemokraten und Liberalen und erreichte 24 Sitze. Der linken Opposition unter Führung der Sozialisten blieben nur sieben Sitze, obwohl ihre Liste nur geringfügig weniger gewählt wurde. Wahllisten dürfen nicht verändert werden. Sélestat beherbergt 17’000 Einwohner. Der Ausländeranteil beträgt 15 %. Die grösste Gruppe der ausländischen Bevölkerung zählen muslimische und allevitische Türken. Auch das Referat des Grenchner Stadtschreibers stiess auf Interesse. François Scheidegger brachte den Elsässischen Freunden die Organisationsform der Stadt Grenchen nahe. Die Wahlen, die Zusammensetzung im Gemeinderat und die verschiedenen politischen Kommissionen waren Themen. Das beste Beispiel der direkten Demokratie, die Gemeindeversammlung, ist in Frankreich nicht bekannt. Scheidegger pries die Funktion des versammelten Souveräns. „Eigentlich sollten wir die Sélestadiens zu einer Versammlung einlade“’, wünschte er sich und fügte an, dass nur so diese Urform der Demokratie verstanden werden kann. Grosses Erstaunen machte die Runde bei den Stadträten im Elsass, als sie erfuhren, wie die Frauen im Grenchner Gemeinderat vertreten sind. In der jetzigen Legislatur amten nur zwei Gemeinderätinnen. In Frankreich hingegen, müssen die Wahllisten die gleiche Anzahl Männer und Frauen aufweisen. „Wir Männer sind aber immer noch in der Mehrheit“, schmunzelte Jean-Pierre Würsch aus Sélestat. Dies darum, weil der erste Platz auf der Wahlliste von einem männlichen Kandidaten besetzt wird. Im zweiten Teil der gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte der beiden Partnerstädte war Kultur angesagt. Hier hat Sélestat viel zu bieten. Eine romanische und eine gotische Kirche stehen nahe beieinander. Der Besuch der im 15. Jahrhundert gegründeten „Bibliothèque Humaniste“ begeisterte. Im Brotmuseum fand die Begegnung der Städtevertreter ihren Abschluss. In einem Monat schon ist in Sélestat wieder Hochbetrieb. Seit 1521 gilt die sympathische Stadt nämlich als Heimat des Weihnachtsbaums.
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