
(Wolfgang Weitlaner) Eine Dosis Fett in der Nahrung hilft Darmbakterien beim Überleben – unddas sorgt nach neuesten Erkenntnissen für eine deutliche Verringerungvon Komplikationen nach einer Operation. Im Rattenversuch konntenholländische Forscher zeigen, dass Fett einen Botenstoff, der eineDarmentzündung verhindern kann, aktiviert.Normalerweise werden Patienten dazu aufgefordert vor einer Operationnicht zu essen, um einem möglichen Erbrechen während der Anästhesievorzubeugen. Wim Buurmann und sein Team von der Universität Maastrichtsind nun aber überzeugt, dass genau jene schützenden Fette plötzlichfehlen und dadurch ein erhöhtes Risiko für etwaige Komplikationenbesteht. "Es gibt einen eindeutigen Trend in der modernen Chirurgie,der dahin geht, Patienten auch vor der Operation noch Nahrung zuverabreichen", erklärt der Wissenschaftler.
Normalerweise leben Menschen in stillem "Übereinkommen" mit ihrenDarmbakterien – viele von diesen produzieren wertvolle Nährstoffe undsorgen für Gesundheit im Körper. Unter gewissen Umständen können dieseMikroben allerdings eine Entzündung als Antwort hervorrufen und"bombardieren" Immunzellen den Darm. Eine Überreaktion in Form einerEntzündung ist wahrscheinlich die Ursache zahlreicher Darmerkrankungennach Unfällen oder Operationen.Der Grund für diese Reaktion liegt nachAnsicht der Forscher in einem Neurotransmitter namens Acetylcholin.Fett sorgt nämlich dafür, dass dieser Neurotransmitter, derEntzündungen verhindert, produziert wird. Tatsächlich konnten dieForscher dies bei Ratten feststellen, die ein Molekül erhielten, dasdie Wirkung des Neurotransmitters aussetzt. Die Folge war dieEntwicklung einer Entzündung.
"Ob dies nun auch beim Menschen ebenso ist, wie bei Ratten, bleibt eineFrage", meint etwa der Entzündungsexperte Kevin Tracey vom FeinsteinInstitute of Medical Research in Manhasset New York. Allerdings gebe eszahlreiche Hinweise, dass Fett auch beim Menschen solche durchauspositiven Effekte habe. "Bei Fetten muss deutlich unterschieden werden,um welche es sich handelt", betont die ErnährungswissenschaftlerinPetra Rust im pressetext-Interview. "Omega-3-Fettsäuren wie sie etwa inFisch und Fischölen vorkommen sind bekannt dafür, dass sie eineanti-inflammatorische Wirkung haben", erklärt die Wissenschaftlerin.Aber auch gesättigte Fettsäuren wie sie in Fleisch vorkommen, erzeugenbei der Fettsäureoxidation Acetylchlorin. Im Hinblick auf diepostoperative Ernährung betont die Forscherin, dass diese leider häufig"stiefmütterlich" behandelt werde. "Nicht nur Fette, sondern auchProteine fehlen den frisch-Operierten oft", so die Expertinabschließend.








