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Ein Fall für zwei: «Flüchtiges Erdgas»

So sieht der "Erdgas-Schnüffler", dem nichts entgeht, von vorne aus. Foto: cs

(Christoph Schmutz) Alle zwei Jahre kontrollieren die Städtischen Werke Grenchen (SWG) ihr Gasnetz im gesamten Einzugsgebiet auf undichte Stellen. Die Devise im Falle eines gefundenen Lecks heisst: Sofort reparieren, bis der Gasverlust null beträgt.cs/GT. Das spezifische Gewicht von Erdgas ist leichter als das von Luft. Daher ist Erdgas ein ziemlich flüchtiger Stoff, was es von Fall zu Fall auch beweist – es entweicht bei einer undichten Stelle im Leitungsnetz und wählt den Weg des geringsten Widerstandes nach oben. Das wiederum macht es relativ einfach, den Lecks im Leitungsnetz auf die Spur zu kommen.
Eine Prüfung der Gasnetze in dicht besiedeltem Gebiet schreibt das Technische Inspektorat des Schweizerischen Gasfaches (TISG) alle zwei Jahre vor. Für die SWG besorgt das in diesen Tagen im Auftrag die Luzerner Firma Wagamet.
Die beiden Wagamet-Messtechniker Patrick Giger und Thomas Heinmann jagen entflohenes Erdgas mit Messgeräten, die in der Lage sind, Erdgaskonzentrationen ab 0,01 Promille zu messen.
Wo das möglich ist, fahren die beiden Spezialisten mit ihrer modernsten Messtechnik im Schritttempo das gesamte Erdgasnetz im Verteilgebiet der SWG ab. Das entspricht immerhin 92,8 Kilometern Haupt- und Verteilleitungen und 2345 Hausanschlüssen à durchschnittlich 10 Metern Länge. Das Abfahren der Leitungen geschieht mit einem Kleinbus, bei dem vorne am Bug auf die ganzen Wagenbreite verteilt Schläuche 120 Liter Luft pro Sekunde ansaugen und sie dann in ein Messgerät einspeisen. Das Gerät misst die Erdgaskonzentration und schlägt je nach Einstellung Alarm. Ist dies der Fall, wird zurückgesetzt und die betreffende Stelle nochmal überfahren. Dies um auszuschliessen, dass in der angesaugten Luft nicht etwa Fremdpartikel wie Autoabgase das Messgerät in die Irre führen können. Probleme gebe es da speziell mit Dieselfahrzeugen oder Zweitaktern, erklärt Thomas Heinmann. «Überholt uns ein solches Vehikel, müssen wir warten». Auch Fahrzeuge mit kaltem Motor, der noch nicht vollständig verbrannte Abgase ausstösst, könne das sensible Messgerät auf eine falsche Fährte bringen.
Gesucht wird in dieser ersten Grobortung nach Erdgaskonzentrationen um die 0,02 Promille. Das ist wenig und im Freien draussen eigentlich völlig ungefährlich. Erdgas kann sich nur in geschlossenen Räumen explosionsartig entzünden und da auch nur bei Konzentrationen zwischen 4 und 15 Volumenprozenten.

Ist ein Leck im Leitungsnetz einmal grob geortet, gehts an die Feinarbeit. Die sieht zuerst ein nochmaliges Überfahren der vermuteten Leckstelle mit dem so genannten Rollteppich vor. Das ist ein leichtes Handschiebegerät, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert wie die Ansaugvorrichtung am Auto. Dort wo das Gerät die höchste Erdgaskonzentration misst, wird die Oberfläche markiert. Jetzt beginnt für Giger und Heinmann die körperliche Arbeit. Bei der Markierung bohrt Heinmann senkrecht über der in etwa 100 – 120 Zentimetern Tiefe liegenden Erdgasleitung ein Loch von zwei Zentimetern Durchmesser in den Boden hinab bis knapp über die Leitung. Weitere vier Löcher in der Achse der Leitung folgen. Je zwei pro Richtung und je in einem Abstand von zwei Metern. Mit einer Sonde wird dann die Erdgaskonzentration in den Bohrlöchern gemessen.
In einem solchen Bohrloch in der Ringstrasse in Grenchen zeigt das Messgerät bereits 40 Volumenprozente an. Kniet man vor dem Loch nieder, kann die künstliche Odorierung des Erdgases deutlich gerochen werden. Erdgas an und für sich ist völlig geruchsfrei. Damit aber ausströmendes Gas sofort wahrgenommen wird, hat man ihm künstlich einen unangenehmen Geruch verpasst.
Draussen, oder in offenen Räumen fackelt Erdgas bloss ab. Das habe man sich früher auch zu Nutze gemacht, um Gaslecks zu orten, erzählt Giger. «In die gebohrten Löcher über der Leitung im Boden wurden Röhrchen gesteckt und oben angezündet. Das durch die Röhrchen nach oben strömende Gas fackelte ab. Dort wo die Fackel am höchsten war, vermutete man das Leck in der Leitung». Das Prinzip ist heute noch das selbe, nur arbeiten die «Erdgas-Schnüffler» weniger rustikal. Mittels der Löcher im Boden über der Leitung versuchen Giger und Heinmann die eigentliche Leckstelle einzugrenzen.
Im Falle der Erdgasleitung in der Ringstrasse in Grenchen eine schwierige Übung. Eine konkrete Leckstelle lässt sich da nicht bestimmen – die Leitung muss an verschiedenen Stellen lecken. «Hier empfiehlt sich eine Innensanierung», meint Heinmann. Das komme günstiger, als das Freilegen der Leitung an mehreren Stellen.
Eine solche Innensanierung besteht aus dem Einziehen einer Folie in ein bestehendes Leitungsstück. Der Vorteil ist der, dass die Strasse nur im Bereich der beiden Einzugsstücke geöffnet werden muss.

Der Preis einer Leitungssanierung übersteigt den finanziellen Verlust, verursacht durch ein Leck im Netz bei weitem. Diese Verluste seien nämlich finanziell kaum bedeutend, beantwortet Roland Hofmann, Leiter Netz und Anlagen Gas und Wasser bei den SWG, eine entsprechende Frage. Aber die Devise der SWG laute: «Beim geringsten Gasverlust wird sofort repariert, und zwar bis der Verlust null beträgt».
Das hat einen Grund: «Erdgas muss sich nicht zwingend senkrecht nach oben durch den Boden in die Umgebung verflüchtigen», so Patrick Giger. «Austretendes Erdgas kann auch in eine andere Werkleitung im Boden eindringen, in der dann aufwärts bis in ein Gebäude steigen und dort eine explosive Sättigung der Luft bewirken.
Erdgas gehe deshalb alle an, nicht nur jene, die über einen Hausanschluss verfügen, sind sich Giger und Heinmann einig. Die meisten Leute, denen sie während ihrer Arbeit beim Überprüfen der Hausanschlüsse in deren Gärten begegnen würden, reagierten nach erster Skepsis denn auch dankbar über ihre Tätigkeit. Und schliesslich haben Heinmann und Giger auch manche Tipps für Hausbewohner bereit: «Stets am gleichen Fleck abgestorbener Rasen oder eine abgestorbene Hecke etwa, sind Indikatoren für eine lecke Gasleitung im Boden darunter».

Solche Stellen gibts in Grenchen kaum. «Unser Erdgasnetz» ist sicher», beruhigt Roland Hofmann. Trotzdem sind die Städtischen Werke aber immer dankbar für Hinweise auf Gaslecks und belohnen solche auch.Ein Artikel im GT vom Freitag, 3. August


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