
(Myriam Sperisen) GT/my. Mit einem Bauvorhaben im Hübeliquartier Bettlach sind nicht alle Anwohner einverstanden. Nachdem es zu Einsprachen und Diskussionen gekommen war, bezeichnen die Einsprecher das Vorgehen der Behörden als «unfair».Die Baupläne liegen bereit und könnten verwirklicht werden: Familie Leibundgut aus Bettlach möchte bereits seit drei Jahren im Hübeliquartier ein Haus bauen. Doch das ist nicht so einfach, denn das geplante Gebäude war bis jetzt nicht zonenkonform, es passte nicht in die bestehende Landhauszone. Bald soll sich das ändern. Im Rahmen der Ortsplanungsrevision soll das «Hübeli» in die sogenannte «Wohnzone zwei» umgezont werden.
Ronald Staub, der Architekt des besagten Projekts, freut sich schon, denn nun dürfte den langgehegten Bauplänen seines Bauherrn nichts mehr im Wege stehen. Der Schein trügt aber: Die zukünftige Nachbarschaft wehrt sich wehement gegen dieses Haus. Logischerweise blieben somit Einsprachen nicht aus. In erster Linie waren sie gegen die Umzonung als solche gerichtet. Es sei unlogisch, dass ein schon beinahe vollständig überbautes Quartier plötzlich umgezont werde. Dieses Argument, und noch ein paar andere, brachten die Einsprecher hervor. Nach der Prüfung der Einsprachen seitens der Baukommission wurden diese Darstellungen klar als «Überlegungen subjektiver Art» eingestuft und später vom Gemeinderat nach einigen Diskussionen abgelehnt. Damit wollten sich die Einsprecher keineswegs einfach zufrieden geben.
Besonders eine Einsprecherpartei wehrte sich: «Uns wurden beim Gespräch mit den Verantwortlichen kein Kompromiss unterbreitet», meinte Einsprecherin Daniela Jäggi, die mit ihrem Mann Daniel Einsprache erhoben hatte. Bei der Suche nach einer Lösung sei von den Verantwortlichen «alles nur schwammig erklärt» worden. Darauf angesprochen, winkt Ortsplander Thomas Schwaller ab. Auch er war bei diesem Gespräch dabei. Die Einsprecher haben immerhin den Eindruck, er sei der Einzige gewesen, der versucht habe, zu Ermitteln. «Wir haben den Leuten alles genau erklärt», meint er. Grundsätzlich ging es in dieser Angelegenheit bei näherer Betrachtung darum, dass das von Staub geplante Haus die Aussicht der erwähnten Einsprecherpartei versperren würde. «Die stellen uns ein Gebäude vor unser Haus, so dass wir nachher nicht einmal mer aus dem obersten Fenster die Aussicht geniessen können», gab Jäggi auch gleich zu und regte sich auf. Doch von diesem Argument wollte Bettlachs Bauverwalter Aquil Glanzmann nichts wissen: «Das Anrecht auf Aussicht besteht nicht. Man kann höchstens das davor liegende Grundstück dazu kaufen, um sicher zu sein.» Das hatte er auch schon an der Gemeinderatssitzung, wo es um die Erledigung der Einsprachen gegangen war, betont.
Es besteht im Hübeli die Angst, dass mit der Umzonung plötzlich «unpassende» Gebäude das Quartierbild aus dem Gleichgewicht bringen. Und die Annahme, dass diese Häuser jenseits von allen bisherigen Höhen-Vorschriften liegen könnten. Auch hierzu äussert sich Schwaller: «Wir haben versucht, zu erklären, dass diese neue Zone besser ist, für dieses Quartier», sagt er. Wenn bei der jetzigen Landhauszone alle Vorgaben ausgeschöpft würden, seien höhere Bauten möglich als bei der geplanten Wohnzone. «Aber leider konnten wir trotz intensiven Diskussionen keinen gemeinsamen Nenner finden», bedauert der Ortsplaner. Es sei ein tiefes Misstrauen gegenüber der Gemeinde spürbar gewesen. «Ausserdem hatte ich das Gefühl, dass die Einsprecher etwas überfordert waren», fügt Schwaller bei. Die Einsprecherin, deren Aussicht gefährdet ist, äussert sich zum Ablauf: «Bedauerlicherweise ist man von Gemeindeseite her der Meinung, sie sei die Drahtzieherin dieser ganzen Sache und die anderen bloss die Mitläufer». Fragt man bei Sachkundigen nach, will diese Annahme tatsächlich niemand bestreiten.
Dass Architekt Staub sozusagen darauf gewartet hat, bis es irgendwann zu einer Umzonung kommen wird, ist sicher. Dazu steht er auch klar. Sogar einen Kompromiss habe er ausgearbeitet: «Ein tieferes Dach, damit die Hinteren doch noch Aussicht haben», erklärt er, doch darauf sei man stur nicht eingegangen. «Da hätten wir vom obersten Fensterchen noch knapp über das Haus hinweggesehen», meint Jäggi darauf. Der Bauherr Fred Leibundgut möchte sich zu diesem Thema eher in Zurückhaltung üben. Er liess per e-mail vernehmen, dass er beabsichtige, im «Hübeli» schliesslich einmal in «vernünftiger Nachbarschaft» zu leben. Es sei besser, dass die Presse nun nicht noch mehr Öl ins Feuer giesse. Und dass Architekt Ronald Staub in Bettlachs Bau- und Werkkommission sitzt, wird nicht als Problem gesehen: «Wenn betreffende Themen behandelt wurden, trat er logischerweise in den Ausstand», erklärt Bauverwalter Glanzmann. Trotzdem hat die Geschichte für die Einsprecher ein Beigeschmack der (Zitat): «Vetterliwirtschaft im Bauwesen». Gestern nahm nun die Geschichte eine Wende.
Mehr dazu im Grenchner Tagblatt vom Samstag, 23.September 2000
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